„Was macht Ihren Führungsalltag wirklich schwer?“ Wenn ich diese Frage in meinen Vorträgen stelle, kommen meist sehr ähnliche Antworten:
- Zeitdruck und Bürokratie
- Konflikte und Widerstände im Team
- Fachkräftemangel
- hohe Erwartungen der Mitarbeitenden
- eigene Erschöpfung
- Unsicherheit bei Entscheidungen
Und dann kommt der entscheidende Punkt: Fast alles liegt im Außen.
Und genau dort versuchen wir es meistens auch zu lösen.
Neue Prozesse. Mehr Meetings. Externe Beratung. Teammaßnahmen.
Was, wenn ein Teil der Lösung woanders beginnt?
Eine Geschichte über eine engagierte Inhaberin
Ich möchte dir eine Geschichte von einer Inhaberin erzählen.
Einer sehr engagierten Inhaberin. Erfolgreiche Praxis – starkes Team.
Eines Tages stand ihre wichtigste Mitarbeiterin vor ihr und sagte: „Ich möchte kündigen.“
Auf die Frage warum, kam die Antwort:
„Ich fühle mich nicht mehr wohl. Die Stimmung ist angespannt und wirkt oft kalt und ungemütlich hier.“
Die erste Reaktion
Die Inhaberin war schockiert.
Sie arbeitete am meisten.
Sie übernahm Verantwortung.
Sie wollte, dass es allen gut geht.
Gut gemeint und doch nicht die gewünschte Wirkung! Frustrierend!
Die Suche im Außen
Zuerst schaute sie auf die Prozesse. Auf Arbeitsbelastung und auf die Organisation.
Objektiv schien alles in Ordnung.
Keine gravierenden Konflikte – keine strukturellen Fehler. Und doch wollte die wichtigste Mitarbeiterin gehen.
Unter der Oberfläche
Im Coaching stellte ich dann eine andere Frage:
„Wie geht es dir als Chefin gerade?“
Die Antwort kam leise – aber ehrlich:
„Ich bin ständig angespannt. Ich will, dass alles perfekt läuft. Ich will, dass es allen gut geht und jeder sich wohlfühlt. Ich darf mir keinen Fehler erlauben.“
Und genau dieser innere Druck war spürbar. Jeden Tag. Sie wollte Harmonie und das erzeugte Anspannung.
Die entscheidende Erkenntnis
Das Klima war nicht angespannt wegen des Teams. Es war angespannt, weil sie als Führung so angespannt war.
Und das ist der Moment, in dem Selbstführung beginnt.
Was, wenn viele Themen, die wir im Führungsalltag beklagen, weniger mit dem Außen zu tun haben – sondern mit der Art, wie wir innerlich damit umgehen?
- Was, wenn Mitarbeitende ebenso auf angespannte Führung reagieren?
- Was, wenn Unklarheit im Team aus innerer Unentschlossenheit entsteht?
- Was, wenn eigene Überlastung auch ein Thema von Grenzen und Prioritäten ist?
Genau da beginnt Verantwortung.
Klarheit schaffen
Die Inhaberin begann nicht, ihr Team zu verändern. Sie begann, erstmal für sich selbst zu sorgen. Konkret bedeutete das:
- Sie klärte ihre Verantwortlichkeiten – und delegierte endlich.
- Sie reduzierte ihre überhöhten Perfektionsansprüche.
- Sie traf Entscheidungen klarer und früher – eine perfekte Lösung gibt es nicht!
- Sie begann, es für sich passend zu machen.
- Und sie setzte bewusst Grenzen – und priorisierte ihre Zeit.
Die Vorbild – Wirkung
Sie wurde ruhiger und entspannte sich. Ihre Kommunikation wurde klarer entschiedener.
Sie sagte, was sie brauchte und erwartete – auch gegen ersten Widerstand.
Und so veränderte sich langsam das Klima für alle spürbar.
Die Mitarbeiterin ist geblieben. Ohne das die Chefin sie überredet hat.
Sondern, weil sich die Führung verändert hat.
Die fünf Prinzipien wirksamer Selbstführung
Selbstführung ist die Grundlage jeder klaren Kommunikation, jeder Entscheidung und jeder Atmosphäre.
Diese fünf Prinzipien entscheiden darüber, ob Menschen innerlich kündigen – oder bleiben.
- Innere Klarheit vor äußerer Kommunikation
Viele Führungskräfte glauben, sie müssten besser kommunizieren. In Wahrheit müssen sie sich zuerst besser klären:
- Was sind meine Werte – als Leitplanken fürs Team
- Wo will ich in der Praxis hin – Ziele als Orientierung für die Mitarbeitenden
- Welche Haltung trage ich nach Außen – und gebe meinem Umfeld damit Sicherheit
Klarheit entsteht nicht erst im Gespräch.
Sie entsteht davor.
2. Emotionale Selbststeuerung unter Druck
Die Inhaberin war nicht unfreundlich – sie war angespannt. Und Anspannung ist für dein Umfeld spürbar und überträgt sich schnell.
Die entscheidende Frage lautet:
Wer bist du, wenn du gestresst bist? Denk an die Werbung eines Süßwarenherstellers …
In stressigen Situationen gibt es immer einen ersten Impuls:
- Rechtfertigen
- Argumentieren
- Rückzug
- Druck erhöhen
Doch Führung zeigt sich auch genau hier – im Raum zwischen Reiz und Reaktion.
Impulse sind menschlich – Reflexion ist Führung.
3. Klarheit schlägt Harmonie
„Ich wollte es allen recht machen.“ Dabei hat sie die Hauptperson vergessen – sich selbst!
Hinter diesem Satz steckt auch ein Führungsthema, denn Harmonie ist kein Ziel. Klarheit schon.
Typische weiche Formulierungen, die ich immer wieder höre:
- „Wir sollten vielleicht …“
- „Es wäre gut, wenn …“
- „Ich würde mir wünschen …“
Klare Führung klingt anders und wirkt auf deine Mitarbeitenden anders:
- „Ich entscheide mich für …“
- „Ich erwarte, dass …“
- „Ab morgen gilt …“
Mutig „das Kind beim Namen nennen“ und den „inneren Frieden“ zu priorisieren schafft Klarheit im Umfeld.
4. Entscheidungsstärke & Verantwortung
Die Inhaberin traf lange keine klaren Priorisierungen. Sie wollte niemanden enttäuschen. Doch Unentschlossenheit ist für Teams anstrengender als eine klare Entscheidung. Menschen folgen Haltung, nicht Perfektion.
Die Frage an dich als Führung lautet:
Was ist wirklich deine Verantwortung?
Wo zögerst du noch eigene Entscheidungen heraus?
Welche mögliche Angst oder Konsequenz liegt dahinter?
Und auch hier heißt es ehrlich hinschauen, Ängste annehmen, mutig delegieren und trotz Gegenwind standhaft bei sich bleiben.
5. Energie-Management als Führungsinstrument
Die Inhaberin hat nicht nur Prozesse verändert. Sie hat ihren eigenen Druck reduziert.
Das bedeutete für sie:
- Neue Grenzen setzen – Pausen priorisieren
- Perfektionismus hinterfragen – delegieren lernen
- Hilfe annehmen – Verletzlichkeit und Gefühle mitteilen
Ihre innere Verfassung wurde stabiler und entspannter. Sie konnte wieder ruhig schlafen. Sie wurde lockerer und gelassener – und das übertrug sich auch auf die Atmosphäre.
Druck erzeugt Gegendruck – Ruhe dagegen schafft Weite.
Die äußeren Herausforderungen in der Praxis bleiben:
- Zeitdruck und Bürokratie
- Konflikte und Widerstände im Team
- Fachkräftemangel
Doch wenn du dich als ChefIn selbst klar führst, verlieren sie ihre Macht über deine Reaktion.
Die herausfordernde Frage zur Reflexion für dich:
Wo trägst du – unbewusst – zu dem Problem bei, das du lösen möchtest?
Und wenn dich dieser Impuls berührt hat und du spürst, dass da noch mehr von dir in deiner Praxis sichtbar werden darf, dann komm in meinen Online-Führungskurs „Wohl:Führen“. Dort gehen wir genau diesen Weg. Du lernst,
💎deine persönlichen Stärken klar zu erkennen,
💎sie bewusster in deiner Praxisführung einzusetzen
💎und eine Führung zu entwickeln, die sich nicht anstrengend, sondern stimmig anfühlt!

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