Das Jahr ist noch nicht mal eine Woche alt. Um mich herum nimmt der Alltag schon wieder Fahrt auf – nur ich habe die Pausetaste noch gedrückt. Stille – das ist nicht nur ein Buch von Bodo Janssen, sondern auch der Titel einer Impulsreihe mit dem Unternehmer in einem seiner Hotels.
Für mich war dies zum Jahresanfang genau das richtige, um mich noch kurz der Hektik zu entziehen und meinen Fokus wieder zu schärfen. Für drei Tage war ich zu einem Retreat mit Bodo Janssen – angelehnt an sein Buch Stille. Ein Buch, das für jeden Monat Impulse und Reflexionsfragen bereithält. Und ein Retreat, indem diese Gedanken spürbar werden.
Ein Ort, der Stille möglich macht
Dieser besondere Ort ist das Upleven an der Nordsee. Upleven – das bedeutet so viel wie Aufleben. Und genau das beschreibt diesen Ort sehr treffend. Kein WLAN im Hotel. Kein Fernseher auf dem Zimmer. Keine Dauerbeschallung.
Stattdessen: Wind. Weite. Stille. Und die Nordsee, die ohnehin nichts beschleunigt.
Ich war schon skeptisch, was die Stille bei mir hinterlässt …
Schon bei der Ankunft ist klar: Dieser Ort meint es ernst mit der Stille. Das Konzept ist eine gelebte Haltung. Es gibt Meditationen, Rückzugsorte und Rituale, die entschleunigen.
Eines davon: Die ersten 15 Minuten der gemeinsamen Mahlzeiten werden konsequent in Stille verbracht. Kein Gespräch. Kein Austausch. Nur Essen und Besteckklappern.
Was zunächst ungewöhnlich wirkt, wird schnell zu einer tiefen Erfahrung. Der Geschmack. Die Textur. Der Moment. Das Essen wird für mich wieder intensiver.
Nichts nebenbei, keine Ablenkung und ich merke wie bei mir der Druck, für ein Gespräch zu sorgen, nachlässt …
- Gegenwärtig sein – nicht nur anwesend
Diese Erfahrung hat sich durch die Tage gezogen: Gegenwärtigkeit.
Nicht anwesend sein und innerlich schon weiter. Sondern wirklich da – beim Menschen, bei mir und bei dem, was gerade ist.
Beim Zuhören habe ich wieder gemerkt, wie viel sich verändert, wenn ich innerlich still werde. Wie viel mehr ich höre und wahrnehmen kann, wenn ich nicht innerlich schon mit meiner Antwort beschäftigt bin.
Und wenn ich mir dann auch noch vor einer Antwort Zeit nehme. Die Zeit, um in mir nachzuspüren: Was ist jetzt die passende Antwort?
Was braucht es und hilft wirklich – dem Menschen, dem Moment, der Situation?
Gerade im Führungsalltag von Zahnarztpraxen, in dem Entscheidungen oft schnell getroffen werden müssen, liegt hier eine enorme Kraft. Sich die Zeit für den Menschen, das Thema und auch für eine stimmige Entscheidung zu nehmen. Bei dem Gedanken tauchen nun vor meinem inneren Auge schon hektisch die Menschen auf, denen es zu lange dauert, auf eine (durchdachte) Antwort zu warten …
- Aus welcher Quelle schöpfe ich?
Ein zentraler Gedanke aus dem Retreat – und aus dem Buch Stille – ist das Bild der Quelle.
Handle ich gerade aus einer klaren oder aus einer trüben Quelle?
Eine trübe Quelle speist sich aus alten Verletzungen, aus dem Wunsch nach Anerkennung, aus dem Bedürfnis, gebraucht zu werden. Auch der gut gemeinte Wunsch, anderen helfen zu wollen oder wertvoll zu sein, kann aus einer solchen trüben Quelle entstehen.
Eine klare Quelle dagegen ist ruhig. Still. Präsent. Sie braucht nichts zu beweisen oder zu rechtfertigen.
Dieses Bild hat mich tief berührt und gleichzeitig habe ich mich auch ertappt gefühlt. Doch mir hilft dieses Bild sehr. Denn es erklärt, warum sich Führung manchmal für uns selbst und für unser Umfeld so anstrengend anfühlt.
Und wann wird die Quelle wieder klar? In Stille. Wenn das Wasser Ruhe hat und sich alles setzt – heißt, die Gedanken und Gefühle Zeit haben, gesehen und gespürt zu werden. Das wovor wir im Alltag häufig flüchten und Angst haben.
- Bedingungslosigkeit – auch mir selbst gegenüber
Ein weiterer Gedanke, der nachwirkt, ist Bedingungslosigkeit.
Bedingungslose Wertschätzung – anderen und mir selbst gegenüber.
Ich spüre, wie oft im Alltag der Wert an Bedingungen geknüpft ist: an Leistung, Funktionieren oder ein Ergebnis. Und wie befreiend es ist, diese Bedingungen zumindest zu erkennen. Nicht sofort zu verändern – sondern erstmal bewusst wahrzunehmen.
Für mich heißt das jetzt:
Ich darf den Wunsch loslassen, ständig helfen zu müssen.
Ich darf loslassen, für andere wertvoll sein zu wollen, um nur zwei meiner trüben Quellen zu nennen.
Stattdessen darf ich einfach ich sein. In dem, was ich denke, sage und tue. Mit Präsenz, in Ruhe und mit Zeit für Stille.
Und bevor der nächste Blog mit 3 weiteren Erkenntnissen erscheint, kommt hier meine Einladung an dich:
Wann erlaubst du dir Stille – im Praxisalltag, in Gesprächen, vor Entscheidungen?
Was schmeckst, hörst und nimmst du im Alltag wahr?
Und wie oft begegnest du dir bedingungslos? Mit Wertschätzung?
Vielleicht beginnt gute Führung nicht mit einem neuen Konzept.
Vielleicht beginnt Führung an einem Ort – innerlich oder äußerlich – an dem Stille sein darf und Empfindungen wieder Raum bekommen. In dir?
Und wenn du spürst, dass dir der erste Schritt mit Unterstützung leichter fällt, dann klicke hier für deinen kostenfreien Impuls.
Oder komme in mein „Wohl:Führen“ Programm – dort geben wir all dem einen geschützten Rahmen, den Empfindungen eine Richtung und bringen damit Veränderung auf den Weg – für mehr Leichtigkeit in deiner Führung.

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