Warum echte Selbstführung im Spüren beginnt – nicht im Tracken
Letzten Sonntag bin ich durch den Wald gelaufen. Vor mir zwei Frauen im Gespräch. Es ging um eine neue Smartwatch. Eine der beiden berichtete sehr begeistert von ihren Erfahrungen mit der Uhr: Schlaftracking, Herzfrequenz, Stresslevel, Erholungswerte – einfach beeindruckend, was die Uhren heute so alles können. Und dann fiel bei ihr dieser eine Satz, wo ich stutzig wurde:
„Dafür haben wir doch die Uhr – damit wir uns selbst besser kennenlernen.“
Ich bin tatsächlich kurz stehengeblieben, musste kurz innegehalten und merkte meinen Widerstand. Gleichzeitig schoss mir eine Frage in den Kopf:
Wann haben wir eigentlich die Verbindung zu unserem Körper verloren – sodass wir ein Gerät am Handgelenk brauchen, um zu wissen, wie es uns geht?
Der Körper sendet längst – wir hören nur nicht mehr hin
Du kennst das wahrscheinlich. Der Nacken zieht schon seit Tagen. Der Schlaf ist nicht mehr so tief und erholsam wie früher. Du wachst auf und bist immer noch müde. Und im Bauch sitzt seit der letzten Besprechung dieses unangenehme Ziehen.
Aber: Es ist Montagmorgen, der Wartebereich füllt sich, das Postfach quillt über, dein Schreibtisch auch und die erste Mitarbeiterin hat sich krankgemeldet … du funktionierst trotzdem.
Dein Körper hat dir längst eine Nachricht geschickt. Mehrere sogar. Du hast sie weggedrückt, weil gerade keine Zeit dafür war.
Und genau hier kommt die Uhr ins Spiel. Sie übersetzt das, was du sowieso schon spürst – oder spüren könntest –, in Zahlen, Grafiken und Push-Mitteilungen. Sie macht sichtbar und laut, was bisher nur ein diffuses Gefühl war.
Das ist nicht schlecht. Es kann sogar hilfreich sein. Aber es zeigt eben auch nur ein Symptom!
Wir vertrauen dem Gerät mehr als uns selbst
In meinen Coachings erlebe ich das immer wieder. Wenn ich frage: „Wo spürst du das? Was sagt dein Bauchgefühl gerade dazu?“ kommt erstmal Stille. Und wenn ich weiter fragend warte, kommt ein zögerliches: „Keine Ahnung, weiß ich gar nicht, ich müsste mal überlegen…“
Wir sind so erzogen und perfekt geübt darin, im Kopf zu sein, dass wir das Spüren scheinbar verlernt haben.
Das ist Teil unserer Leistungsgesellschaft. Das ist jahrelanges Training. Erst in der Schule. Dann weiter im Studium ging es um Wissen, in der Praxis um Effizienz, im Alltag ums Funktionieren. Wer fragt da nach deinem Gefühl?
Und trotzdem: Genau dieses Bauchgefühl wäre dein bestes Frühwarnsystem. Für den Konflikt im Team, der sich gerade anbahnt. Für die Entscheidung, die noch nicht reif ist. Für die Grenze, die du gleich überschreitest.
Die Uhr misst. Du fühlst.
Eine Uhr kann dir sagen, dass dein Ruhepuls erhöht ist oder der Schlaf nicht tief ist.
Sie kann dir nicht sagen, warum.
Sie weiß nicht, dass das Gespräch mit deiner Mitarbeiterin gestern nachwirkt. Sie weiß nicht, dass du dich seit Wochen fragst, ob der fordernde Kunde noch zu dir passt. Sie weiß nicht, dass dir gerade einfach Ruhe zum Verschnaufen fehlt.
Das weißt nur du. Wenn du hinhörst.
Ein kleines Experiment für die nächsten sieben Tage
Ich lade dich zu etwas ein. Keine App, keine Uhr, kein Tagebuch mit zwanzig Fragen.
Nur drei Momente am Tag. Morgens, mittags, abends.
Jeweils dreißig Sekunden. Augen zu, wenn du magst. Und eine einzige Frage:
„Wie geht es mir gerade – im Körper?“
Nicht im Kopf. Auch nicht: „Ich bin gestresst, weil…“. Sondern: Wie fühlt sich mein Körper an? Wo spüre ich was? Wärme, Enge, Kribbeln, Schwere, Leichtigkeit?
Mehr nicht.
Du wirst überrascht sein, was du spüren wirst. Und wie schnell du wieder einen feineren Draht zu dir bekommst. Nach ein paar Tagen merkst du das Ziehen im Nacken nicht erst freitags – sondern dienstags. Du merkst die Anspannung vor dem schwierigen Gespräch – bevor du es führst. Du merkst, dass eine Pause jetzt dran wäre – nicht erst, wenn der Akku auf null ist.
Das ist Selbstführung ganz konkret. Nichts Großes. Einfach: wieder mehr bei dir ankommen.
Was sich verändert, wenn du dich wieder spürst
Wenn du dich selbst besser spürst, wirst du Entscheidungen anders, schneller treffen. Für dich. Klarer. Ruhiger. Und dadurch führst du auch dein Team anders.
Du erkennst die Spannung bei deiner Mitarbeiterin früher, weil du deine eigene erkennst. Du triffst Entscheidungen, die sich im ganzen Körper stimmig anfühlen, nicht nur logisch. Und du gehst abends nach Hause mit weniger Restmüll im Kopf.
Eine Uhr kann dabei ein Werkzeug sein. Sie darf nur niemals der Maßstab sein.
Der Maßstab bist du und dein Körper.
Wenn du gerade das Gefühl hast, dich selbst zu verlieren, in der Verantwortung für deine Praxis, dein Unternehmen, deine Mitarbeitenden, dann kann der 5.9.26 für dich interessant sein.
Ein Tag, der nur für dich ist, um deinem Körper zuzuhören. Du wirst nicht nur Zeit zum Spüren haben, sondern auch ganz konkret Veränderungen entwickeln, die dich wieder näher zu dir und dem bringen, was du brauchst, um gesund zu bleiben.
Hier findest du alle Infos
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